Esslinger Liederkranz

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Der Liederkranz 1827 hat eine neue Vorsitzende: Solveig Hummel löst Günther Wößner ab

Von Max Bruns

Von traditionellen Volksliedern, über das Singen von Psalmen bis hin zu einem Medley aus der West Side Story: Das Programm des Esslinger Liederkranzes 1827, ältester Gesangsverein in der Stadt, ist breit gefächert. Nun hat es einen Wechsel an der Spitze gegeben. Zwölf Jahre lang war Günther Wößner Vorsitzender. Solveig Hummel übernimmt das Amt für mindestens drei Jahre und ist damit die zweite weibliche Vorsitzende der Vereinsgeschichte.

Auf Hummel warten laut Wößner „viele Tätigkeiten und Aufgaben“. Die größten Herausforderungen werden für sie – wie für den gesamten Verein – die Nachwuchsförderung, die Männerquote und die Finanzierung des Vereins sein. Deshalb müssen laut Hummel „alle mithelfen“. So wie es sich in einem Verein gehört. Vor allem beim Problem des Nachwuchs kam immer wieder die Frage auf: „Wie integrieren wir junge Leute?“ Daraufhin wurde vor ein paar Jahren ein Kinderchor gegründet und in den Liederkranz aufgenommen. Gemeinsame Auftritte gab es schon. Wie zum Beispiel in der Adventszeit auf dem Weihnachtsmarkt. „Das war eine schöne Sache“, freut sich Wößner. „Uns ist wichtig, dass die Leute verstehen, dass wir nicht dieser altbackene Verein sind“, sagt Solveig Hummel. „Deshalb ist es wichtig, unserem Chor ein Gesicht der heutigen Zeit zu geben“.

Ein Teil dazu trägt sicherlich auch die Chorleiterin des Liederkranzes Steffi Bade-Bräuning bei, die den Chor immer Dienstags von 18.30 bis 20.30 Uhr in der Aula der Katharinenschule leitet. Sie ist Chor-, Band- und Orchesterleiterin an der Hochschule Esslingen und hat diverse Kooperationen mit anderen Chören auf den Weg gebracht. Wie zum Beispiel ein Engagement mit der sing_uni der Hochschule Esslingen. Die Auftritte mit anderen Chören wie zum Beispiel auch dem Daimler-Chor sind regelrechte Highlights im Jahr.

„Stillstand ist keine Option“

Zur Zeit besteht der Liederkranz aus rund 50 aktiven Sängern und Sängerinnen – darunter nur 15 Männer. „Es ist schade, dass der Chor zunehmend weiblich wird“, moniert Hummel, „ich mag es wenn Männer im Chor singen“. Wößner nickt zustimmend und fügt hinzu: „Teilweise singen die Frauen schon im Tenor weil die Männer fehlen“. Auch hier gilt es, neue Leute zu finden. Wie so oft ist das Ganze eine Frage des Geldes. Fakt ist: Ohne Geld gehen die Chorvereine kaputt. „Bei einem Konzert können die Ausgaben schon auch in den fünfstelligen Bereich gehen“, erklärt Hummel. „Das Geld holen wir dann auch nicht durch die Mitgliedsbeiträge und Ticketeinnahmen rein“. Deswegen sind die Vereine ein Stück weit auf Sponsoren und die Städte angewiesen. Trotzdem ist laut Hummel „Stillstand keine Option“. 2020 ist das Beethovenjahr. Da will sich der Esslinger Liederkranz auf jeden Fall gut präsentieren. „Unser Ziel wird es immer sein, uns von anderen Chören abzusetzen“, sagt Wößner. Ein Trumpf dabei ist aus seiner Sicht das vielseitige Repertoire des Liederkranzes. „Die ganze Breite unseres Chorgutes hebt uns sicherlich von den anderen Chören und Gesangsvereinen ab“, meint Günther Wößner. Solveig Hummel stimmt überein: „Natürlich singen wir auch traditionelle Volkslieder. Die sind uns wichtig. Allerdings entdecken wir auch durch unsere Chorleiterin neue Facetten und wollen Altes neu beleben“.

„Singen ist Gemeinschaft“

Doch beim Esslinger Liederkranz geht es auch um andere, soziale Aspekte. „Singen ist doch viel mehr als Melodie“, sagt Hummel. „Singen ist Ausdruck und vor allem Gemeinschaft“. Genau deshalb macht der Verein immer wieder mal einen Ausflug. Wie die Konzertreise nach Frankreich im vergangenen Jahr in Esslingens Partnerstadt Vienne. „Dort erlebt man die Kultur und die Musik natürlich nochmals ganz anders“, sagt Wößner, der dem Chor auch weiterhin als Sänger erhalten bleibt.

Auch in Zukunft will der Verein solche Reisen veranstalten und mit Schulen und anderen Chören beziehungsweise Gesangsvereinen kooperieren. Um die ganze Vielfalt der Musik zu entdecken – die von früher und die von heute. Eben: Traditionsbewusst und doch modern.

Esslinger Zeitung, 9.3.19