Esslinger Liederkranz

Haben auch Sie Interesse
am Singen, dann...

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Ursprünge

Im April des Jahres 1827 gründete Dr. Karl Pfaff gemeinsam mit 15 sangesfreudigen Bürgern den Esslinger Liederkranz, der früh große Bedeutung für das Sangeswesen über unseren Raum hinaus erlangte. Er ist der älteste Gesangverein von Esslingen. Dr. Karl Pfaff übernahm 1828 den Vereinsvorsitz und gab das Ziel vor: Der Esslinger Liederkranz ist ein Verein von Sängern und Sangesfreunden, sein Zweck Pflege und Veredlung des Volksgesangs und damit des Volkslebens überhaupt. Darin lassen sich sängerische, gesellschaftliche und gemeinnützige Verpflichtungen ableiten, die noch heute die Aktivitäten des Vereins bestimmen und allgemein  in allen Gesangvereinen zum Massstab geworden sind. Dr. Pfaff war Historiker und  Archivar der Stadt Esslingen. Seine Arbeit ist bis heute Grundlage im Esslinger Archiv geblieben. Er veröffentlichte u.a. auch zwei Bände über die Geschichte der Stadt Stuttgart, schrieb über das württembergische Fürstenhaus und viele Gedichte.

Den Anschub der Gründungswelle von Gesangvereinen im 19. Jahrhundert verursachte der sich wandelnde Zeitgeist. Die Romantik ergänzte die Klassik. Sie entdeckte die emotionale Seite des Lebens. Die Literatur dieser Zeit wurde gefühlsbetonter. Achim von Arnim gab mit Clemens Brentano die Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ heraus. Eichendorff u.v.a. verfassten Gedichte, die vertont wurden und heute noch im Repertoire der Gesangvereine zu finden sind. Friedrich Silcher sammelte und komponierte Lieder. Unter den großen Komponisten der Romantik sind zu nennen: Franz Schubert, Robert Schumann, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Carl Maria von Weber, Johannes Brahms, Richard Wagner. 

Der Liederkranz wandte sich damals auch dem politischen Lied zu. Im Archiv des Vereins ist zu lesen, im Liederkranz waren wir „glücklich, wenn wir politische Lieder oder solche, in die wir Politik hineinlegten, singen konnten“. Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ bestand nicht mehr. Dr. Pfaff pochte auf den Sängerfesten  auf Einheit, Recht und Freiheit in Deutschland und war massgebend an der Gründung der Sängerbünde im Schwabenland und in Deutschland beteiligt. Auch spätere Vorsitzende des Vereins übten über den Verein hinaus bis in die Gegenwart in diesen Sängerbunden wichtige Funktionen aus. Bismarck äußerte sich 1893,  der „deutsche Liederklang“ habe den Erfolg der Einheitsbestrebungen vorbereitet und erleichtert. 

Der Wahlspruch des Esslinger Liederkranzes heißt „Harmonie in Lied und Leben“ und ist ein inniges Bekenntnis zur Gemeinschaft und gegenseitigem Wohlwollen. Von Anfang an beteiligte sich der Verein an den Sängerfesten im Lande und in Deutschland. „Ungetrübte Freude herrschte überall und jeder Fremde verließ das Fest mit Dank“ wird über das erste Sängerfest in Esslingen berichtet. Die Ausflüge, Wanderungen des Vereins wie auch des Frauen- und Männerchores haben immer besondere Sehenswürdigkeiten, Ereignisse, Landschaften oder Städte als Ziel. Die Chöre knüpften auch mit Chören des Auslandes Verbindungen. Der Besuch in Schiedam zog die Städtepartnerschaft nach sich. Innerhalb der Stimmen finden Stimmfeste statt. Die Mitglieder besuchen Theateraufführungen, treffen sich in den Sommerferien und laden zu Geburtstagen ein. Es herrscht ein schönes Zusammenhalten, schrieb einst Dr. Elben, ein Freund Dr. Pfaffs, und das gilt heute noch. 

Regelmäßige Auftritte mit Konzerten in Altersheimen bereiten den Bewohnern große Freude. Ein Anliegen des Vereins ist es, junge Menschen an das Singen im Chor heranzuführen. Es gab schon mehrere gemeinsame Konzerte mit Schulchören.

Statuten von Dr. Karl Pfaff revidierte Version aus dem Jahre 1828 



 

Schätze des Vereinsarchivs

„Kaum ein anderer Verein hat seine Historie so lückenlos dokumentiert wie der Esslinger Liederkranz. Das wertvolle Vereinsarchiv birgt Schätze  aus 174 Jahren.“ schreibt die Esslinger Zeitung und fährt fort „eine faszinierende Reise in die Kulturgeschichte“. Die Leiterin des Stadtarchivs urteilt: „Das ist eine ganz ungewöhnliche Sammlung“. Sie ist schön geordnet in Themenbereiche mit Inhaltsverzeichnissen.

1. Protokolle und Bücher

Seit der Vereinsgründung liegen alle Protokolle der in Ausschüssen und Mitgliederversammlungen behandelten Punkte vor, ebenso Mitgliederlisten, auch ein „Desiderienbuch“ aus dem Jahre 1839, in das „jedes Mitglied seine Wünsche und Klagen darin verzeichnen könne“. In schöner Handschrift wurden anfänglich die Kassenbücher, der Schriftverkehr und ein Programmbuch mit der Liedfolge bei Konzerten geführt. Heute läuft ja alles per Computer. Gedruckte Programme  bekamen die Zuhörer der Konzerten aber schon früh. Ein ganz besonderer Schatz sind die Erinnerungen von Karl Pfaff  „Aus meinem Sängerleben“. Ein Handbuch, aus Anlass der Einweihung  des  Karl-Pfaff-Denkmals auf der Maille im Jahr 1868 herausgegeben, enthält sie. Die Stiftungsurkunde für das Karl-Pfaff-Denkmal und die Übernahmeurkunde des Denkmals durch die Stadt sind ebenfalls vorhanden, ebenso ein „Grundbuch des Schwäb. Sängerbundes“ aus dem Jahre 1925 mit Angaben über die schwäbischen Liederfeste ab 1827, die in Esslingen ja mehrfach stattfanden. Bücher von Dr. Otto Elben wie „ Der Volkstümliche Deutsche Männergesang, seine geschichtliche, gesellschaftliche und nationale Bedeutung“ aus dem Jahre 1855 und „Der Deutsche Sängerbund 1862-1912“ geben Auskunft über die Zusammenschlüsse zu den Sängerbünden, die auf die unermüdlichen Initiativen von Dr. Pfaff und Dr. Elben zurückzuführen sind.

2. Die Noten

Die ältesten sind handgeschrieben, ab 1831dann gedruckt ( Gesänge für das Liederfest in Esslingen). Aus dem Jahre 1868 stammt das älteste noch vorhandene Liederbuch. Sehr wertvoll ist das handschriftlich verfasste Original der Vertonung des Vereinswahlspruches „Harmonie in Lied und Leben“ von J. Faißt.  Natürlich besitzt der Verein heute eine Fülle von Noten zu den verschiedensten Anlässen. Unser Notenwart hat sie fest im Griff.

3. Feste und Veranstaltungen

Höhepunkte im Leben eines Gesangvereines sind die Liederfeste und die eigenen Jubiläen. Die Geschehnisse vom ersten Liederfest in Esslingen 1828 wie von anderen Liederfesten in anderen Städten in der Folgezeit lassen sich im Archiv erfahren, wie auch die Reden  Karl Pfaffs zu diesen Anlässen. Die Unterlagen zu nahezu allen Vereinsjubiläen, mit Abhandlungen auch von Karl Pfaff, und Berichte über die Vereinsgeschichte bezeugen das stolze Alter des Esslinger Liederkranzes und das Wirken seiner Vorstände über den Verein hinaus.

4. Pokale und Vereinslokale

Es ist nur natürlich, dass sich in den 175 Jahren seit Gründung eine Menge von Pokalen, bei Wettsingen gewonnen oder auch gestiftet, angesammelt hat. Ebenfalls ist es verständlich, dass in dieser Zeit die Vereinslokale immer wieder gewechselt haben. Viele bestehen gar nicht mehr, z.B. Kugels Saal,  der Kronenhof, das Lokal Hirsch u.a. aus der ersten Zeit des Vereins.

5. Bilder und Fotoalben

Diese haben sich seit Bestehen kistenweise angesammelt u.a. die Büste Karl Pfaffs, nach der das Denkmal gegossen wurde,  Bilder von Oskar Merkel, dem Nachfolger Pfaffs als Präsident des Schwäbischen Sängerbundes, von Wilhelm Nagel und natürlich von den Konzerten, den mitwirkenden Künstlern und von den gesellschaftlichen Ereignissen beweisen das pulsierende Leben im Verein. Eindrucksvolle Exponate des Vereinslebens und bedeutender Persönlichkeiten  zeigte die Ausstellung zum 160. Jubiläum 1987.